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Die Freiwillige Feuerwehr in der Gemeinde Eichigt

Die Gründung einer Feuerwehr für die Gemeinde Eichigt wird auf das Jahr 1875 datiert. Zwar gibt es darüber keine schriftlichen Unterlagen, doch der erste noch bekannte Feuerwehrkommandant erinnerte sich noch genau an die Erzählungen seiner Vorfahren vom Beginn dieser Wehr.

In der Anfangszeit war die Wehr sicherlich ein bunt zusammengewürfeltes Häuflein von Bauern, Tagelöhnern, Knechten und auch Handwerkern, die zu ihrem eigenen Schutz Gerätschaften zur Brandbekämpfung bereithielten und sie dann auch nötigenfalls einsetzten. Zumindest wurde im Jahr 1882 ein massives Spritzenhaus auf dem heutigen Flurstück 78, auf dem sich auch der Löschteich befand, errichtet.

Als Löschtechnik präsentierte sich damals wahrscheinlich eine hölzerne, handbetriebene Doppelhubpumpe - eventuell mit blankpolierten Messingbeschlägen - als ganzer Stolz der Wehr. Ein riesiges Wippengestänge bot an jeder Seite für zwei Feuerwehrleute Platz und strapazierte deren Kräfte derart, daß baldige Ablösung durch frische Kräfte geboten war. Ob nun diese Spritze schon über Schlauchrohre das Wasser aus dem Teich ansaugte oder ob der Trog noch durch Helfer mit Eimern laufend nachgefüllt werden mußte, entzieht sich ebenfalls unserer Kenntnis. Auf jeden Fall war man mit dieser Technik bereits in der Lage, das Wasser in die Flammen zu befördern, während man die Spritze in sicherer Entfernung stehen hatte. Bestimmt konnte man auch schon Pferde davorspannen und war dann schnell am Brand, während sich die tapferen Feuerwehrmänner ihre Kraft zum Pumpen aufsparen konnten.

Die letzten Überreste eines Leiterngestells, an dem auch Reißhaken hingen, konnte man noch 1950 sehen. In alten Bauakten lesen wir, daß dieses Spritzenhaus im Jahre 1937 derart verfallen war, daß sich eine Ausbesserung nicht mehr lohnte. Der Bau eines neuen Spritzenhauses stieß aber auf einige Schwierigkeiten der Art, daß sowohl der Gemeindehaushalt ein großes Loch von über 4 Tausend Mark aufwies, als auch für Gemeinden eine allgemeine Kreditsperre verhängt war.

Im Frühjahr 1938 gab es das neue Spritzenhaus erst auf dem Papier und Gelder waren nicht in Sicht. Wo dann letztlich die Finanzen her kamen, um im August den Bau beginnen zu können und bis zum Ende des Jahres fertigzustellen, ist unklar. Fakt ist:, daß mit Beginn des Jahres 1939 die Feuerwehr Eichigt ein funkelnagelneues Spritzenhaus mit eingebauter Arrestzelle hatte. Sicherlich kommt aus dieser Zeit die Drohung mancher genervten Mutter gegenüber ihrem bösen Buben: "Wenn du nicht hörst, kommst du ins Spritzenhaus!"

Was sich allerdings im Spritzenhaus befand, können wir nur ahnen. Sicherlich war es die erste Motorspritze des Ortes, denn diese war damals üblich. Mit der Bezeichnung TS 3 ist sie der Generation so um die 50 noch gut bekannt und so mancher schaute damals bestimmt neidvoll den Vätern bei der Übung mit dieser Spritze zu und wünschte sich, ein paar Jahre älter zu sein, um dabei mittun zu können!

Im Herbst des Jahres 1950 schlug dann auch für die gute alte TS 3 in Eichigt die Stunde. Eine feuerrote TS 8 mit einem Hänger, auf dem die Spritze und alles nötige dazu Platz fand, stand vor dem Spritzenhaus. Voller Stolz fuhr man diese und den neuen Hänger in das Spritzenhaus und der zufällig am gleichen Abend stattfindende Tanz war willkommener Anlaß für so manchen tapferen Feuerwehrmann, ein Gläschen mehr auf das Wohl der neuen Spritze zu leeren.

Doch o weh, entweder hat Sankt Florian mitgefeiert oder der nächste Brand wurde mit der Spritze gleich mitgeliefert. Mitten in der Nacht drang das Feuerhorn in so manch benebeltes Hirn, während der rote Hahn am Himmel stand. Ein weit vom Ort entfernt stehendes Gehöft stand in Flammen. Das war eine Nacht, über die auch die neue Spritze nicht hinwegtrösten konnte. Mehr als 400 m Schlauch mußten ausgelegt und ca. 40 Höhenmeter überwunden werden, bis man am Brandherd stand. Trotzdem waren die Mühen nicht ganz umsonst. Während das alte Gehöft abbrannte und auch etliches Stück Vieh in den Flammen umkam, konnte das neue Wohnhaus letztendlich doch gerettet werden.

Leider schwand in den folgenden Jahren das Interesse an der Feuerwehr und die Gemeinderäte wollten sogar schon den Dienst in der Feuerwehr zur Pflicht machen, als Gerhard Reißaus das Ruder herumreißen und vor allem die Jugend des Ortes begeistern konnte.

Mit einer radikalen Verjüngungskur, nach und nach schmucken Uniformen und vor allem einem Herz für die Wehr dauerte es nur ein paar Jahre bis Eichigts Feuerwehrleute bei jedem regionalen Wettkampf der Wehren dabei waren und ihre Kräfte erfolgreich mit anderen Dörfern maßen. Auch ein paar junge Frauen waren damals dabei und feuerten ihre Kameraden tatkräftig an.

Diese Aktivitäten fanden bald ihren Lohn, denn bereits 1967 griffen die Kameraden zu Schaufel und Maurerkelle, um ein vollkommen neues Spritzenhaus auf dem heutigen Flurstück Nr. 9 zu schaffen, in das dann 1968 ein Feuerlöschfahrzeug vom Typ B 1000 mit fahrbarer Schlauchhaspel Einzug hielt. Das neue Spritzenhaus, nun Feuerwehrgerätehaus genannt, war 8 m mal 5 m groß und stand nun nicht mehr in unmittelbarer Nähe des Löschteiches. Doch das alte Spritzenhaus hatte noch lange nicht ausgedient und beherbergte den noch immer komplett ausgerüsteten und inzwischen erneuerten Hänger der Wehr.

In dieser Zeit wurde dann auch die gesamte Ausrüstung modernisiert. Neues Schlauchmaterial, Spezialkombis neue Helme und so manches mehr kam dazu und auch der allerletzte Stahlhelm mit angenietetem Ledernackenschutz wurde in dieser Zeit aus dem Verkehr gezogen. Nicht nur die Technik wurde auf Vordermann gebracht. Zwischen 1968 und 1970 fuhr man noch mittels eines altem Opel mit Personenaufbau, mit dem damals die Schüler befördert wurden, zum "Organisierten Selbststudium" in Sachen Brandschutz nach Oelsnitz, nahm die Jugend von Ebmath und Gettengrün auch noch mit und paukte mit rauchendem Kopf das Einmaleins der Feuerlöschkunst. Nach der Ausbildung sah man dann allerdings die "Hühnerstiege",  wie man das Gefährt wegen seiner rückwärtigen fest angebauten Leiter zum Besteigen des aufgebauten "Personenkoffers" nannte, vor so manchem Gasthaus stehen.

Eigentlich war und ist das aber schon immer so, daß Feuerwehr und Bier einfach zusammengehören. Dieses Lied haben schon die Alten gesungen. Der B 1000  mußte zum Glück nur einmal zu einem Scheunenbrand ausrücken.

1973 war es dann wieder einmal so weit, daß die Kameraden zur Maurerkelle griffen. Dieses Mal machten sie Nägel mit Köpfen. Bis zum Jahr 1975 entstand ein doppelt so großes Gerätehaus mit Schulungsraum und Vorratsräumen in der oberen Etage. Es dauerte auch nicht lange bis eine Theke im Raum stand, um den durstigen Kehlen der Feuerwehrleute nach anstrengender Übung Linderung zu spenden.

Im Jahr 1975 zog dann ein "richtiges" großes Feuerwehrfahrzeug vom Typ LO 1800 ins neue Haus ein. Nun konnte die gesamte Mannschaft geschlossen zum Ort des Geschehens fahren. Alles hatte seinen festen Platz und war in Sekundenschnelle zur Hand, wenn es gebraucht wurde. Nun machten die übungen erst richtig Spaß!

Die Aufzeichnungen von der Ausbildungszeit wurden wieder hervorgekramt und eifrig frischte man das Wissen auf. 1975 war ein ganz wichtiges Jahr für die Wehr. Auf stolze 100 Jahre Feuerwehr blickte man in Eichigt zurück. Ein großes Fest erlebte der ebenfalls noch ziemlich neue Sportplatz. Alle ehemaligen Feuerwehrleiter waren geladen und wurden geehrt.

An dieser Stelle sollte man sich ihrer einmal erinnern: In der Reihenfolge ihrer Dienstzeit waren das Adolf Bauer, Gotthold Michel, Gerhard Reißaus, Dieter Asser und Egon Richter.

Dann wurde Bernd Schwab, Heinz Reuter und Jörg Spranger die Leitung der Wehr übertragen. Der derzeit amtierende Wehrleiter ist wieder Bernd Schwab.

Leider ist nicht bekannt, wie die Kommandanten hießen, die vor Adolf Bauer ihren Dienst getan haben.

1980 wurde die Wehr mit den ersten 4 Atemgeräten für das Löschfahrzeug ausgerüstet und 1985 erfolgte die Installation einer Funkausrüstung mit 3 Sprechfunkgeräten auf dem Fahrzeug.

Ob Sankt Florian nun der Eichigter Feuerwehr das Feiern nicht gönnt, weiß keiner zu sagen, aber ein weiteres Mal vermiesten die Sirenen den Kirmessonntag. Am 10.11.85 starb eine alte Frau in ihrem Bett weil die angesteckte Heizdecke das Haus in Brand setzte. Um 14.20 Uhr rückte die Wehr aus und konnte den Brand im Keime ersticken.

Bis zum Jahr 1989 gab es für die Feuerwehr kaum größere Sorgen. Man tat seinen Dienst, wußte auch ab und an zu feiern und hegte und pflegte die Technik. Schon lange waren die Mittel knapp. Jeder neue Schlauch mußte erkämpft werden.

Am 5.12.1989 rissen die Sirenen die Feuerwehrleute wieder jäh aus ihrem gewohnten Trott: In Hundsgrün stand eine Scheune in Brand, von Besitzerhand angesteckt. Nur durch härtesten Einsatz konnte in dem dichtbebauten Winkel ein Ausbreiten des Feuers verhindert werden. Der Schweiß in den Helmen war noch nicht ganz trocken, als schon am 8.12.1989 in Untereichigt ein abgelegenes Wochenendhaus in Flammen stand. Bereits am 13.12.1989 sorgte dann ein Lebensmüder in Bergen dafür, daß die Sirenen innerhalb einer Woche zum dritten Male den Feuerwehrleuten das Mark in den Knochen gefrieren ließ. Bevor er seinem Leben ein Ende setzte, legte er in seinem Wohnhaus Feuer. Das war in der Geschichte der Eichigter Wehr das schwärzeste Jahr und viele Wochen hielt so mancher Feuerwehrmann nachts, wenn er aus unerklärlichen Gründen aufwachte, den Atem an, ob es nicht doch der rote Schein am Himmel oder das schwache Heulen einer Sirene war, das den wohlverdienten Schlaf unterbrach.

Am 18.6.1992 war dann das Jahr der Wende vorbei und die Zukunft der Wehr nun schon wieder etwas deutlicher zu sehen, die Eichigter Wehr nach vorheriger Bewerbung eines der zwei funkelnagelneuen Katastrophenschutzfahrzeuge vom Typ Mercedes Benz im Wert von einer halben Million Mark in Empfang nehmen konnte. Das war eine neue Herausforderung und zugleich auch Ansporn für die Jugend des Ortes. Es dauerte auch nicht lange, bis die Besatzung komplett war.

Mit 4 weiteren Druckluftgeräten und den "Piepsern" zur Alarmierung der Mannschaft wurde das technische Niveau erhöht. Nun war das Gerätehaus allerdings ein weiteres Mal zu klein geworden. Beide Fahrzeuge waren nötig, weil es doch schnell passieren konnte, daß das Katastrophenfahrzeug für mehrere Tage zum Einsatz abgerufen werden konnte.  Daß dies nicht nur Theorie war, bestätigte sich bei der Abkommandierung für eine Woche zur Waldbrandbekämpfung bei Hoyerswerda.

Jetzt war es der Bauhof der Gemeinde, der für einen geräumigen Anbau sorgte. Jetzt mehr mit kontingentiertem Baumaterial, dafür aber mit knappen Mitteln.

Im selben Jahr konnte aus Plauen ein sehr gut erhaltenes Löschfahrzeug vom Typ LO 2000 gekauft und in Betrieb genommen werden. Das alte Fahrzeug wurde allerdings trotzdem weiter gehegt und gepflegt, denn es ist mittlerweile schon fast ein Oldtimer geworden und sollte den kommenden Eichigter Generationen erhalten bleiben.

Kurz nach der Wende haben die pfiffigen Eichigter den Braten gerochen: Die Nationale Volksarmee, wie sie zu DDR Zeiten hieß, war weg und jede Menge Technik türmte sich auf den Sammelplätzen. Eigentlich müßten doch da auch Feuerwehrfahrzeuge dabei sein. Viel Energie wurde darangesetzt, um hier einiges für die Feuerwehr zu finden. Leider ohne Erfolg, denn alles, was vorhanden war, stand schon in den umliegenden Kommunen oder war vom technischen Hilfswerk in Beschlag genommen worden. Es war ein Nachteil, keinen Armeestützpunkt in der Nähe gehabt zu haben. Trotzdem waren die Eichigter nicht umsonst zwei Mal in Bautzen, denn beim zweiten Mal kamen sie mit 5 russischen Mannschaftswagen vom Typ UAZ wieder, von denen 3 Stück sich ein Jahr später als toll aufgerüstete Feuerwehrführungsfahrzeuge präsentieren konnten, mit Blaulicht zu Verkehrsunfällen eilen, Einsätze begleiten aber auch manchmal Kinder zum Kinderfest ein paar Runden im Dorf herumfahren oder Schüler vom nahen tschechischen Grenzübergang holen, um sie am Schulfest in Eichigt teilhaben zu lassen. Sicherlich geht es auch ein paar eifrigen Jungs so, wie den Buben in den Jahren vorher, daß sie sich wünschten, ein paar Jahre älter zu sein, um endlich auch Feuerwehrmann werden zu können! Für einige erfüllte sich am 31.8.1996 dieser Traum: 13 männliche und 3 weibliche Jugendliche bildeten in einer Jugendgruppe den Nachwuchs für die kommenden Jahre. Sie waren bereit, ein paar Jahre später Strahlrohr und Axt als symbolisches Zeichen der Feuerwehr  aus den Händen ihrer Großväter zu nehmen und genauso wachsam wie sie darauf zu achten, daß der rote Hahn in Eichigt keine Chance hat.

Jetzt haben allerdings ihre Väter noch Strahlrohr und Steuer der Fahrzeuge in kräftigen Händen. Darauf sind diese stolz und zeigen es auch. So ist es auch kein Wunder, daß 1996 ein junger Feuerwehrkamerad seine Angebetete nicht in einer weißen Hochzeitskutsche zum Traualter fuhr, sondern dem über und über mit Blumen geschmückten ehemaligem Armeemannschaftswagen kam diese Ehre zu. Begleitet wurde dieser stolze Zug vom vollbesetzten Katastrophenfahrzeug mit dem Stern im Markenzeichen.

In diesen Stunden hat der in neuem Glanz erstrahlte alte UAZ sicherlich total vergessen, wie er sich einstmals - von mißmutigen Soldaten besetzt - durchs Manövergelände quälen mußte. Wenn an diesem Tag die Feuerwehrleute von Eichigt einen Wunsch freigehabt hätten, würden sie sich sicher gewünscht haben, daß es in der Eichigter Wehr nur noch solche Tage geben würde!

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